Wie ich immer wieder auf die Spur zurückfand

Aktualisiert: 11. Aug.
Im Schweizerdeutschen gibt es ein Lied: "Z'erscht der Link und dä dr Rächt. Gsesch, Du machsch das gar nit schlächt...". Zuerst der Linke, dann der Rechte. Siehst Du, Du machst das gar nicht schlecht.
Als Kind trällerte ich diese Melodie immer beim Wandern mit meinen Eltern im Engadin. Es half mir, den inneren Schweinehund zu überwinden und weiter zu wandern.

Dieses Lied spricht davon, immer einen Fuss nach dem Anderen zu setzen. Es lässt sich so gut ins echte Leben übertragen. Immer wieder ertappe ich mich, wie ich JETZT eine Lösung haben will. JETZT muss es gelöst sein. Im Privaten, in der Beziehung, im Verkehr oder an der Arbeit.
Heute, als Unternehmer, begegnet mir dieses Lied immer wieder. Vor allem dann, wenn ich das Gefühl habe, alles kommt auf Einmal. Keine Pause. Ununterbrochen. Wenn ich mir dann dieses Lied in Erinnerung rufe, stoppe ich die Maschinerie. Ich bleibe ganz bewusst stehen und schaue um mich herum. Wo bin ich? Was ist wirklich los? Und was bilde ich mir ein? Und dann überlege ich mir, welcher sinnvolle nächste Schritt gehe ich nun zuerst an.
Ich möchte gerne kurz erklären, warum mir die Frage "Was bilde ich mir ein?" so wichtig ist. Fakt ist, dass unsere eigene Realität aus unserer Sicht stimmt. Für den anderen jedoch, der auf den gleichen Punkt sieht, ist sie völlig anders. Vielleicht kann ich es anhand eines Beispiels besser erklären. Du und ich schauen auf das gleiche Haus. Du stehst vor dem Haus, ich auf der anderen Seite. Wir beide schauen auf das gleiche Haus, beschreiben es jedoch völlig anders. Und beide haben aus ihrer Perspektive recht. Die Realität verhält sich ganz ähnlich: Jeder von uns ist geprägt von vielen Faktoren, das eigene Zuhause, Partnerschaften, Lebensumstände. Sie prägen uns insofern, dass sie unser Bild der Realität prägen. Darum: Was bilde ich mir ein? ... Und was ist tatsächlich das Problem? Gut. Zurück zum Text... Wir waren bei: Kleine Schritte unternehmen, statt alles zusammen.
Bei mir war das nicht immer so. Insbesondere in der Gründungsphase war ich bestrebt, Dinge so schnell wie möglich zu erledigen. Es standen so viele Arbeiten an; Aufbau der internen Infrastruktur, Homepage, Aufbau von Kundenlisten, Erstellung von Prospektmaterial usw. Nicht selten verlor ich mich im Ganzen.
Ich musste schnell lernen, dass ein Ziel aus ganz kleinen Schritten besteht. Und jeder einzelne dieser Schritte sollte mich näher an mein Ziel führen.
Wenn ich das nicht tat, ging's meistens in die Hosen.
Ich erinnere mich gut daran, wie ich besonders am Anfang viele verschiedene Ideen hatte. Alle drehten sich um das Thema Energie. Und alle waren für sich genommen sehr gut. Zumindest aus meiner Perspektive... Ich hatte die Tendenz, und habe sie abgeschwächt heute noch, alle diese Ideen auf ein Mal zu realisieren. Sicher, das wäre mit einem entsprechenden Team durchaus machbar gewesen. Aber dieses Team hatte ich nicht. Stattdessen versuchte ich mich zu teilen. Das Resultat war prädestiniert. Keine dieser Ideen konnte realisiert werden. Ich lernte schnell, Prioritäten zu setzen, schrieb mir all die anderen Ideen auf und realisierte sie nach und nach, Schritt für Schritt. So entstand ein sehr attraktives, in sich stimmiges Angebot.
Der Ansatz, Schritt für Schritt vorzugehen, lässt sich an einem ganz einfachen Beispiel erklären.
Bist Du schon mal umgezogen? Wenn ja, hast Du vielleicht auch schon erlebt, wie sich die unzähligen Kartons und Möbel wie ein unüberwindbarer Berg anfühlten. Wenn Du dann aber einfach den ersten Karton nimmst. Dann den zweiten. Dann den dritten. Und irgendwann schaust Du Dich um und stellst fest: Der Berg ist weg. Ist es nicht so?
Darum: Wenn's im eigenen Betrieb oder, wenn Du angestellt bist, an der Arbeit mal chaotisch wird, mach eine Pause, schau Dich herum, definiere die nächsten Schritte und dann geht's wieder los. Schritt für Schritt. Und seien sie noch so klein. Jeder Schritt bringt Dich weiter. So mache ich's. Und es funktioniert.
Kleiner Ausblick zum nächsten Artikel. Ich möchte auf das Thema Demut eingehen und darauf, wie mich die Selbstständigkeit gelehrt hat, meine Bedürfnisse neu zu definieren.



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