Wenn das Streben nach Sichtbarkeit mich hemmt
- Robert Nef

- vor 4 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Die vorliegende Artikelreihe hat zum Ziel, Dir als Leser meinen Wandel durch das Unternehmertum zu dokumentieren. Zu zeigen, wie mich das Unternehmertum persönlich prägt. Und vielleicht fragst Du Dich nun, wo dieser aktuelle Artikel hinführt. Denn auf den ersten Blick macht der gewählte Titel nicht den Eindruck, dass er in diese Reihe passt. Und doch, er passt sehr gut. So viel kann ich schon verraten.
Aber von vorn. Fakt ist, dass wir alle gerne wahrgenommen werden. Wir alle werden gerne gesehen. Sichtbarkeit ist dann besonders angenehm, wenn sie im Zusammenhang mit etwas Positivem in Verbindung gebracht wird. Im umgekehrten Fall ist Sichtbarkeit sehr unangenehm, wenn es sich um negative Dinge handelt.
Wenn ich behaupte, dass Unternehmersein eine zusätzliche Sichtbarkeit mit sich bringt, dann will ich diese Aussage in den richtigen Kontext rücken. Heute, mehr denn je, habe ich viele Möglichkeiten, meine eigenen Sichtbarkeit und die Wahrnehmung im Markt zu steuern. Soziale Medien bieten Plattformen, die bei richtiger Anwendung die Wahrnehmung eines Menschen oder einer Firma nach oben katapultieren können.
Und ganz ehrlich: Positive Sichtbarkeit hilft insbesondere einer jungen Firma sehr, sich im Markt bemerkbar zu machen.
Aaaber... Das mit dem Streben nach Sichtbarkeit ist eben so eine Sache. Fällt Dir auch auf, wie viele "unheimlich erfolgreiche" Unternehmen sich im Netz präsentieren? Wenn ich all diesen Hochglanz-Posts Glauben schenken darf, dann frage ich mich, wo denn die Anderen, gescheiterten Firmen sind.
Ich habe ganz ehrlich immer mehr Mühe mit Artikeln, in denen sich Unternehmen auf eine Art präsentieren, die sie selbst unnötig erhöht und automatisch andere entwertet. Denn so ist es schlussendlich: "Wir sind gut. Ihr seid es nicht."
Und vielleicht wird das Veröffentlichen des nächsten Posts plötzlich wichtiger als das eigentliche Tun. Und dann schade ich mir selbst, weil ich beginne, meine Energie in die Darstellung meines Erfolges zu investieren, anstatt in dessen Entstehung.
Es verbirgt sich eine ganz grosse Gefahr dahinter: zu vergessen, warum ein Unternehmen erfolgreich ist. Es sind die kleinen Dinge, die entscheiden. Nicht die kurzfristige Wahrnehmung im Markt. Ausgenommen, Du hast ein kolossales Budget, dass Dir erlaubt, den Markt mit Werbung zu fluten. Ich spreche in diesem Artikel KMU und junge Unternehmer an.
Ich möchte darauf hinaus, dass die positive Aufmerksamkeit automatisch kommt, wenn eine Firma liefert. Vielleicht braucht es ein wenig länger als mittels einer Social-Media-Kampagne. Aber aus meiner Sicht heisst Unternehmertum, abzuliefern: pünktlich, hochqualitativ, zu fairen Konditionen und, wenn möglich, sympathisch.
Und diese Dinge erfordern eigene Arbeit. Es erfordert, Zeit zu investieren, fliessig und diszipliniert dran zu bleiben und nach einer gesunden Perfektion zu streben. Das sind Tugenden, die im Unternehmertum zählen. Das Resultat. Ueberleg mal, was geschieht, wenn die einfachsten Prozesse in Deiner Firma nicht funktionieren, Du jedoch eine hervorragende Homepage hast oder eine geniale Medien-kampagne lancierst hast. Du wirst mir recht geben, dass das eher nicht gut kommt.
Wir könnten es mit der Einnahme eines Traubenzuckers vergleichen. Bei der Einnahme schiesst Dein Blutzucker hoch und gibt Dir für kurze Zeit Energie. Aber so schnell wie Du Energie mit der Einnahme gewonnen hast, so schnell flacht sie wieder ab. Und in Deiner eigenen Firma möchtest Du das unter keinen Umständen. Das Wachstum und das Weiterkommen sollen stetig und auf festem Fundament stattfinden. Richtig?
Sichtbarkeit kann kurzfristig Energie geben. Substanz gibt langfristig Kraft.
Und hier noch etwas ganz Persönliches.
Im Unternehmertum interessiert mich weniger, wie Du Dich öffentlich darstellst oder wie Du die Welt beurteilst. Mich interessiert, was Du tust. Dein Produkt. Deine Firma. Dein Weg. Und vor allem: Wie bist Du dahin gekommen, wo Du heute stehst?
Das ist es, was ich spannend finde.
Vielleicht ist das auch mein eigener Anspruch an das, was ich hier schreibe.

Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus Gedanken niederzuschreiben, die Dich zum Nachdenken bringen. Dich vielleicht sogar dazu zwingen, eine eigene Position einzunehmen. Dafür oder dagegen. Und Dich zu fragen, warum Du so reagierst.
In all diesen Artikeln, die ich bisher geschrieben habe und die ich in dieser Artikelreihe noch schreiben werde, geht es um meinen eigenen Wandel als Unternehmer. Es geht um meine Erfahrungen, meine Beobachtungen und darum, was das Unternehmertum mit mir macht.
Und diese Erfahrung ist für mich nur so wertvoll, wie ich sie nach aussen tragen kann.
Nicht, weil ich damit Recht haben will.
Nicht, weil Du mir zustimmen sollst.
Sondern weil vielleicht genau in Deiner Reaktion darauf der eigentliche Wert liegt.
Wenn Du zustimmst, hast Du vielleicht einen Gedanken wiedergefunden, den Du selbst schon einmal hattest.
Wenn Du widersprichst, hast Du vielleicht einen Anstoss gefunden, Deine eigene Sichtweise zu hinterfragen.
Und wenn Dich ein Gedanke noch lange beschäftigt, obwohl Du ihn eigentlich ablehnst, dann hat dieser Artikel vielleicht genau das erreicht, was ich mir von ihm wünsche.
Er hat Dich zum Nachdenken gebracht.
Und vielleicht ist das die Form von Sichtbarkeit, die ich mir wünsche: Nicht Aufmerksamkeit um der Aufmerksamkeit willen. Sondern einen Gedanken hinauszutragen, der bei Dir etwas auslöst.



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