Als ich aufhörte, auf mich selbst zu hören
- Robert Nef

- 7. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Wo soll ich anfangen... Vielleicht damit, dass jedes neue Unternehmen Begehrlichkeiten weckt. Ein neues Unternehmen ist wie eine Lampe in einer warmen Sommernacht.
Kaum schaltest Du das Licht ein, dauert es keine Minute, bis die ersten Mücken auftauchen.
Manche sind harmlos.
Andere rauben Dir den Schlaf.
Ungefähr so fühlte es sich an, als ich meine erste Firma gründete. In einer Zeit, in der alles neu war, suchte ich nach Halt in Form von Ratschlägen. Und Ratschläge und Meinungen bekam ich viele. Von der Verrücktheit meiner Idee über die absolut notwendigen nächste Schritte bis zu apokalyptischen Erzählungen.
Noch erstaunlicher: Plötzlich waren da Menschen, mit denen ich davor nichts zu tun hatte... Na ja, und da spreche ich ja nicht mal von allen Büchern, die auf mich warteten, um mir Schritt für Schritt zu erklären, wie Unternehmertum geht.
Und darauf möchte ich näher eingehen.
Wenn ich von falschen Freunden spreche, gibt es die Offensichtlichen. Menschen. Wenn ich mich in die Anfangsphase zurückversetze, dann stelle ich heute fest, dass ich mich viel zu sehr auf Ratgeber gestützt habe. Bücher und Autoren, die mir klar machen wollten, wie man erfolgreich wird nachdem man deren Bücher gelesen hat.
In all dem Dschungel hatte ich mich vergessen. Ich hatte vergessen, dass ich meinem eigenen Instinkt vertrauen darf und dass ich aus mir selbst eine unheimliche Kraft besitze. Irgendwann vertraute ich jedem Anderen mehr als mir selbst. Das Aussen beeinflusste mich insbesondere in unsicheren Phasen sehr. Es kam mir vor, als würden alle anderen besser wissen, was für mich gut ist. Wie in der Liebe, wo Dir nicht selten eingeflüstert wird: "Pass auf. Die ist nicht gut für Dich..."
Wenn ich noch einmal beginnen könnte, würde ich mich ernsthaft fragen, warum ich ins Unternehmertum gehe. Was ist meine Motivation. Und wie kann ich diese Motivation in die Tat umsetzen. Das würde ich tun.
Hab ich damals aber nicht... Was dann geschah? Ich fiehl das eine oder andere Mal auf die Nase. Nicht so schlimm. Bin immer wieder aufgestanden. Aber mancher Sturz hat schon weh getan. Kleiner Trost: Lieber am Anfang stolpern und umfallen, als später, wenn das Geschäft läuft. Tut weniger weh... Und ist günstiger. Ist in der Liebe übrigens auch so.
Aber zurück zu den falschen Freunden.
Die Momente, in denen ich falsche Freunde und Ratgeber an mich gezogen habe, waren immer die Momente des Mangels, der Ratlosigkeit. Immer dann klammerte ich mich an Versprechen in der Hoffnung, die schnelle und bequeme Lösung zu finden.
Damals, als ich noch in der Finanzindustrie arbeitete, war immer irgend jemand, der mich unterstützte, wenn's mal nötig war. Das gibt's in der Selbstständigkeit nicht mehr.
Sich in der Unsicherheit und in der Angst zu vergessen, seinem Instinkt zu vertrauen, passiert uns allen, überall. Nicht nur im Unternehmertum.
Ist es Dir nicht auch schon so ergangen, dass Du in einer fremden Stadt um jeden x-beliebigen Passanten froh warst, der Dir den Weg erklärte? Und war es nicht so, dass die Beschreibung selten zum Ziel führte? Und, ganz ehrlich: Keiner dieser Weg-Weiser wollte Dir schaden. Alle wollten helfen.
Ich erinnere mich an eine Begenbenheit, als ich mit der Familie mit dem Wohnmobil mitten ins Zentrum von Bordeaux fuhr. Rein war kein Problem. Aber raus!... Und vor zwanzig Jahren fuhren wir noch mit Karte. Oukey?! Da wars nicht so trivial, auf die richtige Ringautobahn zu finden. Und ich erinnere mich noch gut daran, dass, jedes Mal, wenn wir jemanden nach dem Weg fragten, ich dann das Gefühl hatte, "jetzt haben wir's". Manche Wegbeschreibungen brachten uns näher ans Ziel. Andere führten uns in die falsche Richtung. Aber niemand wollte uns täuschen. Sie beschrieben einfach den Weg, den sie kannten.
Genau so ist es im Unternehmertum.
Als ich angefangen habe, waren einige sehr gute Ratschläge darunter, die jedoch nicht viel mit meiner Situation zu tun hatte. Sie führten mich mehr in die Irre als dass sie mir halfen. Und doch waren sie in den meisten Fällen gut gemeint. Aber, wenn der eigene Instinkt ausgeschaltet wird, bist Du wie ein Schiff ohne Ruder. Du wirst
vom Meer geschaukelt, ohne je das Ziel zu erreichen...

Die meisten Menschen scheitern nicht daran, dass sie zu wenig Rat bekommen. Sie scheitern daran, dass sie irgendwann ihre eigene Stimme nicht mehr hören.
Rückblickend würde mein heutiges Ich dem damaligen Robert raten: "Robert, hör auf, überall nach Antworten zu suchen. Setz Dich hin. Atme durch. Und vertraue darauf, dass Du mehr weisst, als Du gerade glaubst."



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